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KURZPROFIL DER BEHANDLUNGSKONZEPTE
Angststörungen

Die psychotherapeutische Behandlung von Angststörungen gliedert sich in eine ausführliche Problem-, Verhaltens- und Prozessanalyse, daran anschließend in eine Therapieplanung und Therapiedurchführung, die Psychoedukation und ein bewegungstherapeutisches Programm einschließt.

Zu den Angststörungen gehören nach ICD 10 die Agoraphobie mit und ohne Panikstörungen, die soziale Phobie, die spezifischen Phobien, die Panikstörung sowie die generalisierten Angststörungen. Vor der Therapie wird im Einzelgespräch mit dem Therapeuten die Diagnose gestellt und die Schwere der Symptomatik eingeschätzt.


Die Störung

Die Angststörung ist vor allen Dingen wegen ihrer sozialen Folgen eine schwer tolerierbare Erkrankung. Die Angst an sich ist ein natürlicher Zustand, der jedoch bei Patienten in alltäglichen, nicht bedrohlichen Situationen auftritt, dadurch zum ständigen Begleiter wird und die Teilhabe am gesellschaftlichen sowie beruflichen Leben erheblich erschwert. Als auslösende Faktoren spielen bei der Angststörung vor allem familiäre Vorbilder, situative Bedingungen, interne Reizbedingungen sowie kognitive Interpretationen und Bewertungen eine Rolle.

Nachfolgend auf die Angstreaktion findet sich in der Regel ein Flucht- oder Vermeidungsverhalten, das kurzfristig zur Angstreduktion führt, langfristig jedoch zur Aufrechterhaltung der Angststörung beiträgt. Ausgehend von der individuellen Analyse und den die Angst bestimmenden Belastungsfaktoren werden Therapieziele abgeleitet.


Ziele der Therapie

Im Wesentlichen geht es um folgende Ziele, die bei allen Angststörungen zum Tragen kommen:

  • Vermittlung eines psychophysiologischen Angstmodells
  • Aufstellung einer Hierarchie Angst auslösender Reizbedingungen
  • Anleitung zur Planung und Durchführung von Angstübungen
  • Verdeutlichung der Funktionalität der Angststörungen
  • Veränderung von Belastungen und Hintergrundproblemen die zur Aufrechterhaltung der Angststörungen beitragen


Zur Erreichung dieser Therapieziele werden Gruppenkonzepte angeboten. Unterstützt wird die Angstgruppe durch spezielle Körperübungen und Atemübungen, die im Therapeutischen Bewegungszentrum der Waldburg-Zeil Kliniken angeboten werden. Hierbei kommen therapeutische Techniken zum Ansatz, die im Rahmen der Einzelpsychotherapie oder im Rahmen der Gruppentherapie durchgeführt werden.

Zudem werden spezifische gruppentherapeutische Maßnahmen durchgeführt wie Entspannungstraining, Training sozialer Fertigkeiten, Soziotherapie und physikalische Therapie.


Gruppentherapeutische Angebote zur Behandlung von Angststörungen

Die Angstbewältigungsgruppe ist ein im Schwerpunkt verhaltenstherapeutisches Therapieprogramm, das sich schon über lange Zeit in unserer Klinik bewährt hat. Die zwei mal wöchentlich angebotene Gruppentherapie wird von einem auf die jeweiligen Gruppenprozesse abgestimmten Bewegungstherapieprogramm mit Atemübungen, Körperübungen und Expositionsübungen in der Gruppe sowie einem Grundkurs in Progressiver Muskelrelaxation begleitet.

Im Einzelfall findet eine individuelle Betreuung bei Expositionsübungen durch die Mitarbeiter des Pflegedienstes statt. Etwa 12 Patienten befinden sich in einer Gruppe.


Psychotherapeutische Gruppe

Die psychotherapeutische Gruppe orientiert sich an dem Programm von Margraf. Nach einem Kennenlernen der Mitpatienten und ihrer spezifischen Problematik werden bisherige Bewältigungsstrategien gesammelt und kritisch gewürdigt. Wesentlich ist die Psychoedukation über Formen der Angst auf körperlicher, kognitiver, emotionaler und Verhaltensebene.

Zudem werden Informationen über Atmungsvorgänge und deren Einfluss auf Körpersymptome und die Entwicklung einer Panikreaktion gegeben und in der Gruppensituation auch durch zum Beispiel Hyperventilationstests erfahrbar gemacht. Danach werden Angstbewältigungsstrategien erarbeitet, mit einer Hierarchisierung von Angstsituationen und gezielten Expositionsübungen. Gemeinsam werden in einer Gruppentherapie Erfolge und Rückschläge besprochen und Erfahrungen ausgetauscht. Besondere Beachtung findet auch die Rückfallprophylaxe und der Transfer des Gelernten in den Alltag.


Bewegungstherapeutische Gruppe

In der Bewegungstherapie werden unter fachlicher Obhut angemessene Situationen der Angstkonfrontation und -exposition erzeugt, in denen der Angstpatient das in der verhaltenstherapeutischen Gruppe Erlernte anwenden kann.

Dabei kann er neue angstreduzierende Erfahrungen sammeln und sein Selbstwertgefühl verbessern. Durch die Erklärung und die Erfahrung von angemessenen Körperreaktionen werden Ängste abgebaut und ein gelasseneres Verhältnis zum eigenen Körper und seinen Reaktionen erreicht.

Wichtiges Behandlungselement ist die Förderung des Gruppenzusammenhalts, so dass ein zusätzlicher Unterstützungsfaktor durch die gegenseitige Ermutigung entsteht. Es finden Angstexpositionsübungen in der Sporthalle, in der Schwimmhalle und in der Natur statt.

In der Halle werden hauptsächlich über Koordinationsübungen und Spiele Erfahrungen gesammelt, im Wasser über Schwimmtechniken mit Auftriebshilfen unter Berücksichtigung der Atmung und beim Terraintraining über Wanderungen, Radfahren oder Skifahren.


Progressive Muskelentspannung

Zur Vorbeugung von körperlichen Angstsymptomen wie Schwindel, Herzrasen und Atemnot sind Entspannungstechniken besonders gut geeignet. Eine solche Technik ist die Progressive Muskelrelaxation. Mit diesem von Edmund Jacobson in den USA entwickelten Verfahren wird körperliche Entspannung systematisch trainiert und abrufbar gespeichert.

Anspannungen der Muskulatur treten häufig im Zusammenhang mit innerer Unruhe, Stress und Angst auf. Darauf aufbauend entwickelte Jacobson folgendes Prinzip: Wir erreichen Entspannung durch vorausgehende Anspannung. Allerdings muss die Entspannungsphase dabei deutlich länger sein als die Anspannungsphase.

Durch das Kontrasterlebnis - erst Anspannung, dann Lockerung - kommt es meist zu recht deutlichen Entspannungsempfindungen. Dieses Verfahren kann auch direkt in einer angstbesetzten Situation angewandt werden und führt zu einer unmittelbaren Beruhigung und Entängstigung, zudem wird die Situation kontrollierbarer.


Umsetzung in den Alltag

Die pflegerischen Mitarbeiter sind verhaltenstherapeutisch geschult. Sie stehen dem Patienten als Ansprechs- und Bezugspersonen zur Seite. Sie fördern im Alltag die Umsetzung des Gelernten, vor allem im Gespräch, aber auch in Einzel- oder Gruppenübungen.

Bei Verhaltensübungen unterstützen sie beratend und auch direkt begleitend und fördern so die gestufte Exposition mit den angstbesetzten Situationen. Ziel ist es, dass Patienten bereits in der stationären Behandlung mehr Autonomie und Sicherheit gewinnen, dabei aber jederzeit auf ganz individuelle, persönliche Hilfestellungen zurückgreifen können.


Medikamentöse Behandlung

Bei der Behandlung von Angststörungen können auch Medikamente wie Antidepressiva, Neuroleptika, Betablocker hilfreich sein. In der Klinik Alpenblick werden Antidepressiva (SSRI und Tricyclika) erst eingesetzt, nachdem die Patienten über Wirkung, unerwünschte Nebenwirkungen, Wirkungseintritt und Einnahmedauer informiert wurden. Sie sollten nur als vorübergehende Unterstützung eingenommen werden.


Die Behandlung Sozialer Angst

Angst vor sozialen Situationen ist ein häufiges Kennzeichen vieler psychischer Störungen und ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Viele Menschen erleben immer wieder, dass sie Angst haben, sich vor anderen zu äußern, dass sie sich nicht genügend durchsetzen können, persönliche Rechte zugunsten anderer zurück stellen oder sich einsam fühlen, weil ihnen der Mut fehlt, auf andere zuzugehen. Das kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen und die Ausbildung anderer Krankheitssymptome fördern.

Zusätzlich zur Angstgruppe können durch ein Soziales Kompetenztraining in spielerischen Übungen und in Rollenspielen Fähigkeiten wie Kontakte knüpfen, wirkungsvoll Wünsche und Fragen zu äußern, Nein Sagen und Umgang mit Kritik angeeignet werden.


Literatur zur Selbsthilfe (Beispiele)

Wittchen, Hans- Ulrich: Ratgeber Angst. Angsterkrankungen, Behandlungsmöglichkeiten.
Hexal, 1995, ISBN 3805561725

Wolf, Doris: Ängste verstehen und überwinden. Gezielte Strategien für ein Leben ohne Angst.
PAL Verlag, 2000, ISBN 3923614322





[ 28.06.2010 ]
Einladung zum Mitmachen im Juli
Mit den "Übungen der Woche" möchten wir Sie im Alltag zum Mitmachen und zum in Bewegung bleiben ermutigen. Denn regelmäßige körperliche Bewegung sorgt mit dafür, dass Sie sich wohl fühlen.
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