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Berufsbezogene Therapie soll „ausgebrannten“ Führungskräften helfen

Isny-Neutrauchburg - Eine Frau Mitte 50 arbeitet erfolgreich in der Datenverarbeitungsbranche. Sie betreut eine verantwortungsvolle Position und hat viele Kundenkontakte, von denen sie positive Rückmeldungen erhält

Nach einer Kürzung von Dienstleistungen seitens des Unternehmens reagieren die Kunden plötzlich verärgert gegenüber der Frau. Sie arbeitet daraufhin noch mehr, fühlt sich zunehmend überfordert, kann sich nur noch mit Mühe motivieren und bekommt Konzentrationsstörungen.

„Fehlende Anerkennung ist häufig ein typischer Auslöser für eine Burnout-Erkrankung“, sagt Diplom-Psychologin Renate Koppmann von der Waldburg-Zeil Klinik Alpenblick in Isny-Neutrauchburg. Das Gefühl „Ich bin völlig ausgebrannt“ hat dem Phänomen „Burnout“ seinen englischen Namen gegeben. Vor allem Führungskräfte und Arbeitnehmer in sozialen Berufen wie Lehrer, Kindergärtnerinnen oder Menschen im Pflegebereich gelten als klassische Patienten. Treffen können die Beschwerden aber jeden – sie sind allerdings nicht immer leicht einzuordnen.

Eine genau definierte Krankheit sei das Burnout-Syndrom nicht, dazu sind die Symptome zu vielfältig, so Koppmann. Burnout lasse sich besser erfassen, wenn man den Verlauf der Erkrankung betrachte: „Von häufigem Überengagement
über nachlassende Leistung bis zum Zusammenbruch. Die Symptomatik ist oft eine Mischung aus Depression und Angst.“


Besondere Situation

In der Waldburg-Zeil Klinik Alpenblick erhalten Patienten eine berufsbezogene Therapie, wenn ihre Probleme durch die berufliche Situation verursacht wurden oder sich hier besonders auswirken. Dabei werden Führungskräfte seit Oktober 2009 in einer gesonderten Gruppe behandelt. „Früher war das anders, da wurden alle Burnout-Patienten in unserer Selbstmanagementgruppe therapiert“, sagt Koppmann. „Doch im Laufe der Zeit haben wir festgestellt, dass wir nicht alle Patienten in die gleiche Gruppe stecken können.“ Denn bei Führungskräften müsse eine besondere Situation berücksichtigt werden: „Diese Leute können und müssen delegieren und tragen mehr Verantwortung. Wenn es ihnen nicht gelingt, ihre Führungsrolle so zu verstehen, dass sie auch andere belasten, ist das Ausbrennen vorprogrammiert.“

In einem Führungsplanspiel entwickeln die Patienten neue Strategien zur Bewältigung ihres Berufsalltags. Im sogenannten „Handlungsorientierten Training“ werden in praxisnahen Teamübungen Stärken und Schwächen bewusst gemacht und wichtige Fähigkeiten trainiert. „Manche Patienten müssen lernen, Aufgaben zu verteilen, um Unterstützung zu bitten und sich Zeit für die Familie zu nehmen“, sagt Koppmann. „Dadurch können sie sich selbst entlasten und Energie tanken.“

Insgesamt werden in der berufsbezogenen Therapie vierzig Patienten betreut, davon zehn in der Führungskräftegruppe. „Psychische Erkrankungen wie zum Beispiel Burnout werden immer häufiger“, so Koppmann. Zwar könne der langfristige Erfolg der Maßnahme nur in wenigen Fällen überprüft werden, aber „eine Verbesserung wird fast immer erzielt“.


Artikel aus: "Allgäuer Zeitung", Autorin: Fr. Winter, vom 08.05.2010.





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