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2. MEDIZINISCHES SYMPOSIUM Altern, Gehirn, Leistungsfähigkeit - Abstract

Univ.-Professor mult. Dr. med. Dr. h. c. mult. Wildor Hollmann, Köln
Lehrstuhlinhaber für Kardiologie und Sportmedizin (em.)
Ehrenpräsident des Weltverbandes für Sportmedizin (FIMS)
Alter, Gehirn, Leistungsfähigkeit
Die mittlere Lebenserwartung des Menschen hat sich in den technisierten Ländern der Erde im 20. Jahrhundert dramatisch erhöht. Sie lag im Jahre 1900 im deutschen Reich für männliche Personen bei 43 Jahren, für weibliche bei 48. Im Jahre 2007 betrug die mittlere Lebenserwartung für den in Deutschland lebenden Mann 76 Jahre, für die Frau 82 Jahre.
Die Alterungsvorgänge werden genetisch, epigenetisch und vom Gehirn gesteuert. Die Summe ihrer Effekte bewirkt eine Verminderung der Leistungsfähigkeit. Das betrifft alle motorischen Hauptbeanspruchungsformen wie Koordination, Flexibilität, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer. Durch beanspruchungsspezifische Trainingsmaßnahmen ist es möglich, die alterungsbedingte Leistungsabnahme in Größenordnungen zwischen 30 und 50 % vermindern zu können.
Während in der Vergangenheit Herz, Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel, Skelettmuskulatur und das Knochensystem im Mittelpunkt der Betrachtung standen, hat sich das mit der Einführung bildgebender Verfahren des Gehirns seit ca. zwei Jahrzehnten geändert. Mehr und mehr verschieben sich die Schwerpunkte der Alternsforschung auf das Gehirn. Jede körperliche Bewegung bewirkt in den hierfür zuständigen Gehirnregionen signifikante Durchblutungssteigerungen.
Sie sind mit vielfältigen Stoffwechselreaktionen lokaler Art verbunden, vornehmlich mir hochsignifikanten Zunahmen der Produktion von Nervenwachstumsstoffen. Damit verbunden ist eine regionale Neubildung von Blutgefäßen, eine Synapsenhypertrophie, Dendriten- und Neuritenwachstum, Spines-Neubildungen sowie die Neubildung von Nervenzellen im Gehirn.
Sie alle sind geeignet, alternsbedingten Gehirnveränderungen entgegenzuwirken. Der stärkste diesbezügliche Reiz stellt körperliche Bewegung dar, gefolgt von geistiger Aktivität. Bewegungsbedingte Beeinflussungen der Hirnplastizität finden vor allem in denjenigen Bereichen statt, wo sich die stärksten Alterungsvorgänge bemerkbar machen. Hierdurch stellt aerobe dynamische Arbeit nicht nur, wie seit Jahrzehnten bekannt, eine optimale Methode zur Gesundheits- und Leistungserhaltung von Herz und Kreislauf dar, sondern auch vom Gehirn und damit seinen geistigen Funktionen. |
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